Cottbus: Für Jürgen Maresch ist es eine gelungene Wiedergeburt des Sommerfestes seiner Partei in Cottbus. Immer wieder habe ihn die Basis gedrängt, diese Tradition aufleben zu lassen, erzählt der seit Anfang des Jahres amtierende Chef der Linkspartei.
Die Saspower Dixiland Stompers spielen, es gibt Kaffee und Kuchen. Die Sonne meint es gut an diesem Samstag. Und noch ehe Maresch den gut 200 Genossen im Garten der Freizeitoase das Programm des Nachmittags vorstellen kann, kommt sie im schwarzen Freizeit-Look durch das Tor am Amtsteich, die Fontäne und das Dieselkraftwerk im Rücken.
»Gesine, komm hoch«, bittet Maresch die Bundesvorsitzende ans Mikrofon. Gesine Lötzsch genießt den Beifall verhalten. Sie drückt Maresch, der für die Linke im Landtag sitzt. Und sie hält sich nicht eine Minute bei der Vorrede. Kann sie auch nicht. »Ich soll mich kurz fassen.« Stichwort Rente mit 67: »Es geht hier nicht ums höhere Alter. Es geht um Rentenkürzung.« Weil es doch gar nicht genügend Arbeit gebe, um sich eine auskömmliche Rente zu erwirtschaften, sagt Lötzsch. Beifall ist ihr sicher. Stichwort 20 Jahre Deutsche Einheit: »Ja, es hat sich viel verändert. Aber von der Einheit sind wir ein ganzes Stück entfernt. In Ost und West gibt es keine gleichen Löhne. Es gibt Unterschiede bei den Renten und auch beim Arbeitsplatzangebot.« Es gehe hier um soziale Gerechtigkeit. Auch dafür brauche es eine starke Linke. Wieder Beifall für Gesine Lötzsch, den sich auch der Cottbuser Finanzbeigeordnete Holger Kelch (CDU) mit anhören muss. Er feiert hinter den Glasscheiben der Freizeitoase mit seinen Gästen die Schuleinführung seiner Tochter.
Die kurzen Reden sind gehalten, da mischt sich Gesine Lötzsch unters Parteivolk. In Cottbus immerhin 543 Mitglieder - »reelle«, wie Maresch mit einem Augenzwinkern auf die vermeintlichen Kartei-»Leichen« in westlichen Verbänden erwähnt. Und dann sind die Genossen mit ihrer Parteichefin beim eigentlichen Thema dieser Tage. »Der Fall Klaus Ernst ist schon ein Tiefschlag für die Partei. Wie will er noch zu Themen wie 'Reichtum begrenzen' auftreten?«, fragt sich Norbert Schulz. Er ist mit Ehefrau aus Laubsdorf nach Cottbus gekommen, »weil ich Gesine Lötzsch hier erleben wollte«. Und die kommt gleich an seinen Tisch, versucht zu erklären. Dass der aufgrund von mehr als 17 000 Euro Einkommen und vermeintlich falscher Abrechnungen bei der Bundestagsverwaltung ins Gerede gekommene Porschefahrer Ernst die Vorwürfe klären müsse. Das mache er zurzeit mit seinem Anwalt. Lötzsch erläutert, dass sie es wie einst Oskar Lafontaine abgelehnt habe, ein Gehalt als Parteivorsitzende zu nehmen. Für Norbert Schulz steht fest, »wenn Ernst die Vorwürfe nicht restlos aufklären kann, ist er als Parteichef nicht mehr zu halten«. Gesine Lötzsch muss sich an diesem Nachmittag, wie überall in diesen Tagen, immer wieder dem »Fall Ernst« stellen. Der Cottbuser Hans-Joachim Thieme wirft den Genossen in Berlin vor: »Was hier passiert ist, das hätte die Parteispitze doch vorher erkennen müssen.« Christian Taubert