Cottbus: Sie mache kein Aufheben um ihre Arbeit. Bianca Schulz aus Groß Gaglow ordnet ihr Leben nahezu komplett der Betreuung ihres Pflegekindes Stephan unter. Ein Beispiel am Tag der Behinderten, dass auch Menschen mit Handicap nicht außen vor bleiben müssen, aber auf Hilfe angewiesen sind.
Stephan ist 17 Jahre alt und leidet an einem Immunmangel-Syndrom, einer schweren geistigen Behinderung und einer Bewegungsstörung. „Die tägliche Arbeit mit dem Jungen in der Forster Schule hilft genauso wie das Schwimmen, die Kranken-Gymnastik und die Logopädie“, erzählt Bianca Schulz. Auf der Insel Curacao habe es nach der dritten Therapie große Fortschritte gegeben. Gerade die Kommunikation mit der dreijährigen Schwester, die sich über Deutungen auf kleinen Bildtafeln vollzieht, sei besser geworden. Auch andere Fortschritte habe es gegeben, wie Stephans erste Schritte ohne Hilfe im 16. Lebensjahr. Allerdings koste eine Therapie rund 12 000 Euro. Ohne Hilfe sei das nicht machbar. Unterstützung erhält sie von Isabell Lorenz-Kleitz. Die Sängerin der „Na und-Liveband“ hilft mit einigen Benefiz-Auftritten. Der Erlös soll an den Verein „Stars for Kids“ gehen, der zwei weitere Kinder in Kolkwitz und Senftenberg unterstütze. „Voraussetzung für Integration ist eine Gesellschaft, die den Menschen mit Behinderung und ihren Angehörigen eine gleichberechtigte Teilhabe im Alltag ermöglicht.“ Das sagt der Cottbuser Jürgen Maresch (Linke), Vorsitzender des Sozialausschusses und seit wenigen Tagen behindertenpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion. In die Koalitionsvereinbarung seien die Novellierung des Landesgleichstellungsgesetzes für Menschen mit Behinderung und die Entwicklung eines Maßnahmepakets aufgenommen worden.
So müsse es zum Beispiel Eltern in Cottbus ermöglicht werden, die Grundschule für ihr behindertes Kind frei auszusuchen. „Das geht natürlich derzeit noch nicht, weil längst nicht alle Bildungseinrichtungen in der Stadt barrierefrei gestaltet sind“, sagt Maresch. Wenn das Land das Gesetz novelliere, müssten die Kommunen finanziell auch ausreichend ausgestattet werden, um die Umsetzung im Alltag zu ermöglichen. „Dies kostet Geld. Geld aber kann eben nicht das alleinige Maß der Dinge sein“, so Maresch. Von Georg Zielonkowski